Seelenband
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Ho’oponopoo für Kinder von Marion & Karl

Liebe Kinder,

wir möchten euch ein wunderschönes Vergebungsspiel aus Hawaii zeigen.

 

Was heißt denn nun Vergebung?

Vergeben heißt, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er etwas Böses aus seiner Sicht getan hat. Wenn ich seine Gründe für sein Tun verstanden habe, kann ich viel besser und tief aus meinem Herzen vergeben. Kann fühlen, dass ich mich auch schon einmal so gefühlt habe oder einem anderen auch schon einmal so etwas zugefügt habe. Dieses Geschehen hat dann bei mir selbst eine reinigende und schmerzauflösende Wirkung. Mein Herz wird wieder frei und fühlt sich dann leicht an.  Oft, wenn wir „Entschuldigung“ zu unserem Freund sagen, geschieht das schnell und ohne unser Gefühl der echten Entschuldigung. „Wir sagen es halt so“, weil unsere Eltern oft gesagt haben: „sag Entschuldigung“ wenn Du was gemacht hast, was nicht richtig war. Dies hat dann nicht die große Wirkung, nicht den Erfolg, dass der Streit oder Ärger wirklich bei mir selbst und dem Anderen aufgelöst ist. Wir haben die Erinnerung an den Ärger mit unserem Freund noch irgendwo in uns, genauso wie unser Freund und beim nächsten Streit wird der alte Ärger wieder verstärkt. So kann unser Herz mit der Zeit schwer werden, wir sind dann nicht mehr so fröhlich und ausgelassen wie früher. Wenn wir älter werden sammeln sich viele solche Lasten auf unserem Herzen an. Was uns dann zu einem ernsten Menschen machen kann, der sein Herz anderen nicht mehr so leicht öffnen kann, weil er Angst hat wieder verletzt zu werden. Der sich dann in sich zurückzieht. Nicht mehr so frei lachen kann und seine wirkliche innere Art vor den anderen Menschen versteckt.

 

Bei unserem Vergebungsspiel lernen wir nun, wie wir anderen Menschen verzeihen und vergeben können, wenn sie uns geärgert oder gestört haben. Dieses Verzeihungsspiel können wir mit allen machen, mit denen wir im Inneren Ärger haben. Mit unseren Spielkameraden, mit unseren Geschwistern, mit unseren Eltern und Lehrern. Wir lernen wie wir mit unserem ganzen Herzen verzeihen und unseren Ärger dann damit auflösen. Unser Herz wird dann wieder frei und leicht.

Wir lernen so auch andere besser zu verstehen und merken, dass sie nicht anders sind wie wir. Sie denken und fühlen genau wie wir. Zu lernen, andere besser zu verstehen, geht über unser Gefühl. Wenn wir fühlen, was der andere fühlt, dann verstehen wir ihn ganz schnell.

 

Und hierzu haben wir für Euch, damit ihr das schneller begreifen lernt ein Spiel entwickelt.

Die Grundidee dazu kommt aus Hawaii. In einer früheren Zeit, haben die Menschen in Hawaii dieses Vergebungsritual „Ho’oponopono“ in ihren Familien gelebt. Sie haben es täglich oder wöchentlich, wenn es nötig war mit einander gemacht. Auch mit ihren Freunden und Schul- oder Arbeitskameraden.

Ho’oponopono heißt frei übersetzt „richtig machen, richtig stellen“.

Ho’oponopono-Spiel für Kinder

Die Kinder sitzen im Stuhlkreis. Die Kindergärtnerin/Gruppenleiterin moderiert das Spiel und erklärt den Kindern das neue Spiel „Ho’oponopono“:

 

Bei diesem Spiel lernt ihr euch besser kennen und ihr lernt, wie ihr nach einem Streit wieder besser zueinander findet und wie ihr den Streit vollkommen auflöst, so dass eure Herzen frei sind und ihr wieder mit Spaß mit einander spielen könnt.

Gerade wenn man mal streitet oder miteinander rauft, bleibt oft Wut auf den anderen in einem selbst zurück. Mit dem Ho’oponopono-Spiel wollen wir nun alle Wut und allen Groll in uns und dem anderen auflösen. Man nennt dies Vergebung/Verzeihung.

 

Es gibt 3 wichtige Sätze, die wir nun miteinader lernen, bis sie jeder auswendig kann. Am Schluss bedankt man sich:

- Es tut mir leid - Bitte vergib mir - Ich liebe dich – Danke -

 

Wir fangen an (erste Spielrunde):

Jeder geht nun im Raum umher und ich (die Spiel-Leitung) spiele dabei Musik ab. Wenn die Musik aufhört, dann sieht sich jeder nach einem Partner um. Der, der gerade am nächsten bei euch steht, ist euer Gegenüber.

Nun seht ihr Euch in die Augen. Nicht ablenken lassen, nicht wo anders hinsehen. Immer den anderen fest in die Augen sehen.

Jetzt sagt einer von beiden die 3 Sätze zu dem anderen. Wenn dieser fertig ist und sich bedankt hat, kommt der andere dran und sagt die 3 Sätze und Danke. Dann wieder der andere. 3 Minuten lang. Dabei seht ihr euch unentwegt in die Augen und entspannt euch dabei. Werdet locker. Wer sich gar nicht mehr konzentrieren kann oder nicht mehr stehen kann, setzt sich auf den Boden und hört zu. Aber nicht reden und die anderen nicht stören.

 

Nach 3 Minuten ist die erste Runde des Spieles fertig und alle setzten sich wieder auf die Stühle (die außen rum im Stuhlkreis stehen). Nun werden die Kinder gefragt, wie sie es fanden. Dazu erklärt man ihnen, dass es hierzu ein „ich-darf-sprechen-Zepter“ (das kann ein Stück Holz oder ein Spielfigur oder irgendwas anderes sein. Ein Kind fängt an und erzählt, was es empfunden hat und wie sich sein Körper angefühlt hat. War die Übung schwer (hat es sich nicht mehr konzentrieren können) oder hat sich das Kind gut in die Melodie der Worte einfinden können? Ist ein Wohlgefühlt im Bauch entstanden? Wie fühlte sich die Brust an, leicht oder schwer? Wenn es fertig ist gibt es das Sprech-Holz an den nächsten weiter.

 

Der Sinn ist, dass die Kinder bewusst aufpassen, was in ihrem Körper vorgeht. Ein Gefühl zu ihrem Körper aufbauen und lernen, dass Gefühle wie Wut, Entspannung, Schlechtsein etc. gewissen Regionen im Körper zugeordnet werden (Bauch, Magen, Herz, Kopf).

 

Nachdem jedes Kind gesprochen hat, dürfen alle zu Musik 3 – 5 Minuten rumrennen, laut sein, lachen, tanzen und toben. Die Kindergärtnerin macht alles mit und vor.

 

Und nun bedanken wir uns fürs mitspielen. Das geht so: alle Kinder setzten sich wieder hin, strecken die Arme in die Luft und drehen die Handflächen hin- und her (Schmetterling) und sagen zu allen danke, auch zu sich selbt.

Diese Spielrunde wird am nächsten Tag wiederholt. Solange, bis jedes Kind die 3 Sätze in und auswendig kennt.

 

Die zweite Spielrunde:

Alle Kinder sitzen am Anfang wieder im Stuhlkreis. Die Spiel-Runde wird zuerst erklärt.

 

Die erste Aufgabe ist nun: jedes Kind überlegt sich ein Erlebnis (Problem), wo es traurig oder ärgerlich war, sich einfach unwohl gefühlt hatte. Die Kindergärtnerin gibt ein Beispiel. Z.B. Mein Bruder hat mir die Süßigkeiten weggegessen oder die Mama war gestern voll schlecht gelaunt und abends gab es keine Gute-Nacht-Geschichte oder ich mag meine Freundin nicht, weil sie jetzt immer mit einer anderen spielt und nicht mehr alleine mit mir.

 

Wenn dies geschafft ist, werden die Kinder in 2 gleichgroßen Gruppen aufgeteilt. Dazu wieder rumlaufen mit Musik und nach Ende der Musik das „zufällige“ Gegenüber finden.

 

Dann in zwei Reihen gegenüber einander aufstellen, so dass jedes Kind ein Gegenüber hat, welches es in die Augen sehen kann (notfalls macht die Kindergärtnerin mit, wenn es nicht aufgeht).

 

Nun fängt die eine Reihe an und sagt seinem Gegenüber das vorher überlegte Erlebnis/Problem. Das jeweilige Gegenüber-Kind sagt dann die 3 Sätze und bedankt sich: Es tut mir leid, bitte vergib mir, ich liebe dich, danke.

 

Dann wird gewechselt und die andere Reihe Kinder sagt jeweils das ungute Erlebnis an sein Gegenüber. Der/die Gegenüber sagt die 3 Sätze und bedankt sich. Die Kinder sehen sich dabei wieder konzentriert in die Augen.

Wenn diese Runde fertig ist, wird wieder 3 Minuten mit Musik getanzt, gelacht, rumgerannt, sich richtig ausgetobt.

 

Anschließend gibt es wieder eine Sprechrunde. Die Kinder sollen erzählen was sie gespürt haben. Ob sie so ein Problem, von dem sie nun hörten auch schon mal erlebt hatten. Ob sie ihr Gegenüber gut verstehen konnten. Wie hat es sich nach den Vergebungssätzen im Körper angefühlt? 

Zeichnungen von: Tobias Sold