Seelenband
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Das Geheimnis des „Vaterunsers“ von Werner Huemer

Seit 2.000 Jahren steht das Gebet „Vaterunser“ im Zentrum des christlichen Glaubens. Jeder gute Christ kennt die Worte sozusagen im Schlaf. Sie werden zur Buße hergesagt oder für Bitten aller Art verwendet – so häufig wie vermutlich kein anderes Gebet. Worin also sollte noch ein Geheimnis zu entdecken sein? Könnte Jesus mit diesem Gebet tatsächlich etwas im Sinn gehabt haben, an das heute fast niemand mehr denkt?

Das „Vaterunser“ gilt als eines der wichtigsten Fundamente des christlichen Glaubens. Im Neuen Testament der Bibel wird es an zwei Stellen erwähnt. Der Evangelist Lukas schildert Teile des heute bekannten Gebetes als Antwort Jesu auf die Bitte eines Jüngers, er möge sie lehren, richtig zu beten (Lk. 11). Außerdem ist das „Vaterunser“ im Matthäus-Evangelium überliefert (Mt. 6). Dort findet man es im Rahmen der berühmten Bergpredigt, die als wichtige Zusammenfassung der Lehre Jesu aufgefasst werden kann.

Der Evangelist Lukas war der Überlieferung nach Grieche und dürfte um das Jahr 40 – als einer der ersten Heiden, die der Apostel Paulus missionierte – zum christlichen Glauben gefunden und Paulus dann auf seinen Reisen begleitet haben. Historiker gehen davon aus, dass Lukas im ersten nachchristlichen Jahrhundert sowohl sein Evangelium als auch die Apostelgeschichte verfasst hat.

Über Matthäus ist wenig Zuverlässiges bekannt. Er soll als erster ein Evangelium in hebräischer Sprache verfasst haben. Dieses ist aber nicht erhalten. Dennoch ist das Alter des „Vaterunser“-Textes weitgehend unumstritten. Lediglich der abschließende Teil des Gebetes, der Satz „Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit!“, ist in den ältesten Handschriften nicht enthalten.

Doch solche Details aus der Geschichtsforschung interessieren uns hier nur am Rande. Vielmehr sollen in der Folge die Inhalte dieses christlichen Gebetes neu beleuchtet werden. Denn der häufige, ja inflationäre Gebrauch der alten Überlieferungen verschließt wie die sprichwörtlichen „sieben Siegel“ die eigentliche Botschaft und die innere Kraft, die im „Vaterunser“ verborgen liegt.

Jesu Lehre vom richtigen Beten

Eine Ahnung davon, was Jesus Christus im Sinn hatte, als er seinen Jüngern das „Vaterunser“ gab, vermittelt die Lehre des Gottessohnes vom Beten, die ebenfalls im Matthäus-Evangelium überliefert ist. Das Gebet soll demnach vor allem die innere Zwiesprache des Menschen mit seinem Schöpfer sein, die einer demutsvollen Geisteshaltung entspringt und nicht dazu geeignet ist, zur Schau gestellt oder veräußerlicht zu werden: „Wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin“, formulierte Jesus und verlangte statt dessen: „Gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.“

Außerdem zeige sich die Bedeutung des Gebetes nicht in der Quantität der Worte: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen.“ Die Worte seien letztlich gar nicht entscheidend, lehrte Jesus, denn: „Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet.“

In diesem Satz aus dem Matthäus-Evangelium liegt nun auch ein wichtiger Schlüssel zur Lösung der „sieben Siegel“, die heute das „Vaterunser“ – und den darin verborgenen Kern der Lehre Jesu – dem tieferen Verständnis entziehen. Denn was bedeutet die Aussage, dass Gott um unsere Wünsche weiß, noch ehe wir sie in Worte fassen? Sie weist klar darauf hin, dass nicht das, was wir im Gebet sprechen, entscheidend für eine „Verbindung“ zum Schöpfer ist, nicht die Zahl der Worte, die Sprache oder die Formulierungen, sondern allein das, was wir empfinden. Auf die innere Ausrichtung kommt es an. Die Worte folgen der Empfindung, nur grenzen sie vielleicht klarer ab oder fassen sie schärfer. Aber es ist immer eine Empfindung, die uns Gott suchen lässt: Freude und Dankbarkeit beispielsweise oder, wahrscheinlich noch häufiger, eine Bitte in der Not. Wo nicht eine Empfindung zum Gebet treibt, dort bleiben auch die schönsten Worte hohl und kalt.

Wenn man Jesu Lehre vom Beten ernst nimmt, muss man zu dem Schluss kommen, dass er unmöglich mit dem „Vaterunser“ eine neue Satzfolge zum gedankenlosen Herbeten vorgeben wollte. Und es mag die bange Frage im Raum stehen, ob sich nicht bis heute gläubige Christen eher wie „plappernde Heiden“ benehmen, wenn sie ihre Standardgebete, zu denen das „Vaterunser“ ohne Zweifel zählt, wieder und wieder gedanklich oder verbal abarbeiten und glauben, sich durch diese quantitative Hingabe Gnaden erflehen zu können.

„Sie haben ihren Lohn dahin“, formulierte Jesus und brachte damit zum Ausdruck, dass ein solches Verhalten automatisch einen bestimmten „Lohn“, also eine Wechselwirkung nach sich zieht – nämlich die Unfähigkeit, sich seelisch wirklich lichtvolleren, helfenden, erhellenden Strömungen öffnen zu können.

„Vater unser im Himmel …“

Aufgrund der Empfindungen, die den Worten eines Gebets vorangehen und mit denen der Betende sich seinem Schöpfer offenbart, wird bereits deutlich, wessen er bedarf. Die lautere innere Ausrichtung ist die Grundlage für jede Hinwendung zum Schöpfer. „Darum“, lehrte Jesus, „sollt ihr also beten: Vater unser im Himmel!“

In dieser Anrede liegt kein Bekenntnis zu einem patriarchalen „Übermenschen“, wie diese Worte bis heute in oberflächlicher Betrachtung manchmal interpretiert werden. Die Gottheit ist in ihrer Wesenlosigkeit mit den üblichen Begriffen für eine geschlechtliche Zuordnung gewiss nicht zu beschreiben. Statt dessen ist es angezeigt, den hier von Jesus benutzten Vaterbegriff tiefer empfindend zu ergründen. Er bringt nämlich jenes Verhältnis zwischen Mensch und Gott auf den Punkt, ohne das ein lebendiger Kontakt im Gebet nicht möglich ist: Der Mensch muß sich seinem Schöpfer in kindlicher Reinheit nähern.

Abd-ru-shin (Oskar Ernst Bernhardt, 1875–1941), der Verfasser des auf christlichen Grundlagen beruhenden dreibändigen Werkes „Im Lichte der Wahrheit“, formulierte besonders eindrucksvoll, was die ersten vier Worte des „Vaterunsers“ zum Ausdruck bringen, nämlich die aufrichtige Beteuerung: „Ich gebe Dir, o Gott, alle Vaterrechte über mich, denen ich mich kindlich beugend fügen will! Damit erkenne ich auch an Deine Allweisheit, Gott, in allem, was Deine Bestimmung bringt, und bitte, über mich so zu verfügen, wie ein Vater über seine Kinder zu verfügen hat! Hier bin ich, Herr, auf Dich zu hören und Dir kindlich zu gehorchen!“ („Im Lichte der Wahrheit“, Band 2, „Das Vaterunser“)

Mag sein, dass eine solche Sprache auf manche Menschen zunächst etwas schwer verdaulich wirkt, denn sie widerspricht der heute verbreiteten „Macher-Mentalität“, die alles selbstverantwortlich und ohne Blick auf eine höhere Instanz im Griff haben will. Aber natürlich hat der Mensch allein gar nichts in der Hand – er ist in seinem Leben letztlich vollkommen abhängig von den ihn umgebenden und durchflutenden Kräften, von den Fäden, die sein Schicksal führen, vom großen Geschenk, überhaupt leben und bewußt werden zu dürfen, abhängig … von Gott. So wie ein Kind nicht ohne den Schutz und die Hilfe seiner Eltern überleben kann.

„… geheiligt werde Dein Name!"

Abgesehen davon ist dem Menschen als Geistwesen sowieso die volle Selbstverantwortung geschenkt, der freie Wille zur Gestaltung seines eigenen Lebens und seiner Umwelt. Es gibt keinen argusäugig alle Gedanken und Taten beobachtenden Schöpfer, der dann und wann willkürlich in das Weltgeschehen eingreift. Solche Gottesbilder sind falsch und werden zu Recht als überholte Vorstellungen angeprangert.

Aber es gibt eine Gottheit über allen Welten und über allen von den Menschen verursachten Wirren – und die innere Reinheit, die Lauterkeit der Empfindungen ist der Schlüssel, der die Tore zu ihr öffnet. Doch wer sich nicht in diesem Sinn kindlich zu seinem himmlischen Vater bekennen kann, braucht das „Vaterunser“ nicht zu beten. Die tiefe Wirkung dieses Geschenkes Jesu würde ihm sowieso verborgen bleiben.

Leider bietet die heutige Lebensweise und der gesellschaftliche Umgang im allgemeinen kaum Anregungen dafür, solche Empfindungen neu zu wecken. Allein der übliche Sprachgebrauch erschwert dies. Wenn ausgerechnet der Begriff „Gott“ als alltägliches Grußwort, als Ausruf oder für andere Floskeln eingesetzt wird – wie sollten die Empfindungen bei einer so papageienhaften Verwendung des Schöpfernamens in die Tiefe gehen können?

„Geheiligt werde Dein Name“ – aus gutem Grund steht dieses Gelöbnis mit am Beginn des „Vaterunsers“. Denn ohne Heiligung des Begriffes „Gott“ ist es nur schwer möglich, mitten im Meer alltäglicher Gedanken innezuhalten. Es fehlt der Anker.

Aber wer von den Millionen, die das „Vaterunser“ regelmäßig beten, denkt bei diesen Worten an praktische Konsequenzen? Oder, anders gefragt: Worin sollte das „Heiligen des Namens“ denn liegen, wenn nicht in einer bewussten, sorgfältig von allem Profanen befreiten Benutzung des Gottesbegriffes?

Natürlich hat die heute übliche „Verunehrung“ des Gottesnamens, vor der bekanntlich auch das biblische zweite Gebot warnt, einen Grund: In diesem Begriff liegt eben eine besondere Kraft. Sie erweckt Achtsamkeit oder Aufmerksamkeit. Nur wird diese Kraft eben nicht „nach oben“ geleitet, wohin sie die Empfindung führen könnte, sondern gezielt (oder unbewusst, was die Sache nicht besser macht) für irgendwelche Banalitäten missbraucht.

„Dein Reich komme, Dein Wille geschehe!“

Am Beginn des „Vaterunsers“ steht also keineswegs nur eine belanglose Anrede, sondern das Gelöbnis, eine hohe innere Haltung zu üben, die für eine Hinwendung zum Schöpfer die Voraussetzung ist.

Aber auch der darauffolgende Satz „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe!“ wird in seiner Tiefe kaum ergründet. Üblicherweise wird er einfach als Bitte gedeutet – so, als könne man Gott erfolgreich darum ersuchen, im Handumdrehen sein Reich und seinen Willen auf Erden durchzusetzen. So, als gäbe es die Selbstverantwortung des Menschen nicht, als hätten wir das große Geschenk der Entscheidungsfreiheit nie erhalten.

Doch man kann auch in diesem Satz etwas ganz anderes erkennen – nämlich keine Bitte, sondern abermals ein Gelöbnis. Abd-ru-shin deutet den Inhalt dieses Gebetsteiles wie folgt: „Das heißt: wir Menschen wollen es auf Erden hier auch so weit bringen, daß Dein vollkommenes Reich sich bis hierher erstrecken kann! […] Es ist also die Zusicherung, sowerden zu wollen, daß auch die Erde durch die Menschenseele ein Reich der Erfüllung des Gotteswillens wird!

Diese Beteuerung wird durch den nächsten Satz noch verstärkt: ,Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!'

Das ist nicht nur die Erklärung der Bereitwilligkeit, sich in den göttlichen Willen ganz einzufügen, sondern auch darin liegend das Versprechen, sich um diesen Willen zu kümmern, nach der Erkennung dieses Willens mit allem Eifer zu streben.“ („Im Lichte der Wahrheit“, Band 2, „Das Vaterunser“)

Der göttliche Wille wirkt immer hebend, fördernd, belebend. Er zeigt sich auch im Wirken der Natur- oder Schöpfungsgesetze, die ja ein Ausdruck des Schöpferwillens sind – etwa in den Kreisläufen der Natur und in der daraus hervorgehenden Evolution.

Für jeden Menschen wäre es demnach wichtig, seinen Nebenmenschen und der Umwelt gegenüber ebenfalls aufbauend und fördernd zu wirken. Damit fügt er sich mit seinem freien Willen in den göttlichen Willen ein – und die Erde kann zum „Reich Gottes“ werden, also zu einem Reich, in dem der aufbauende Schöpferwille bewusst erkannt und erfüllt wird.

Auch diese Worte des „Vaterunsers“ fordern den Gläubigen demnach dazu auf, etwas zu geloben und vor allem auch, aktiv etwas zu tun. Sie sind alles andere als die blinde Bitte um einen Handstreich Gottes. Dass sich diese nicht erfüllen wird, sollte nach 2.000jähriger Erfahrung klar geworden sein.

Der gesamte erste Teil des „Vaterunsers“ betrifft also vor allem die Haltung des Betenden, seine innere Ausrichtung, seine Bereitschaft, im Sinne Gottes zu leben. Erst unter diesen Voraussetzungen kann dann die darauf folgende Bitte um das „täglich Brot“ wirksam werden. Wobei der Begriff „Brot“ natürlich symbolisch zu verstehen ist – als Sinnbild für all das, was zum täglichen Leben wirklich nötig ist.

Alle diese Worte drängen den Gläubigen im Grunde zu einer bestimmten Haltung: Nicht, was ich selbst will und mir für mein Leben vorstelle, soll maßgeblich sein, sondern Dein Wille, das also, was mich wirklich fördert, auch wenn es unangenehm sein sollte. Diesem Willen ergebe ich mich!

„Vergib uns unsere Schuld …“

So ist die Lehre Jesu: fordernd und den Gläubigen in die Pflicht nehmend. Sie ist, das zeigen alle biblischen Gleichnisse, weit entfernt von der lieblichen, alles vergebenden Nachsicht, die man ihr bisweilen andichtet.

Deshalb verbindet sich auch die folgende Bitte im „Vaterunser“: „Vergib uns unsere Schuld …“ einem Gelöbnis: „… wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!“

Schon Matthäus ließ in seinem Evangelium (6, 14) keinen Zweifel daran, dass die Vergebung von Schuld nicht von Gott erkauft werden kann. Vielmehr ist sie einer bestimmten Haltung verbunden: Um Vergebung erlangen zu können, muss der Gläubige seinerseits ebenfalls Unrecht vergeben.

Abd-ru-shin erläutert die Zusammenhänge, die das „Vaterunser“ mit diesen Sätzen zum Ausdruck bringt, noch eingehender: „Darin liegt Wissen von der unbestechlichen, gerechten Wechselwirkung geistiger Gesetze, die den Willen Gottes geben. Gleichzeitig auch der Ausdruck der Versicherung vollen Vertrauens darauf; denn die Bitte um Vergebung, also Lösung aus der Schuld, baut sich bedingungsweise auf auf die vorherige Erfüllung durch die Menschenseele, des eigenen Vergebens alles Unrechtes, das Nebenmenschen an ihr taten.

Wer aber dessen fähig ist, wer seinen Nebenmenschen alles schon vergeben hat, der ist auch so in sich geläutert, daß er selbst mit Absichtniemals Unrecht tut! Damit ist er vor Gott auch frei von aller Schuld, da dort nur alles das als Unrecht gilt, was übelgewollt mit Absicht getan wird.“ („Das Vaterunser“)

Die Vergebung von Schuld vollzieht sich demnach immer im Rahmen von Wechselwirkungen. Sie läßt sich nicht „erkaufen“. Deshalb sollte auch dieser Teil des „Vaterunsers“ nicht als Bittfloskel mißverstanden werden, sondern vielmehr die Überzeugung von dem gerechten Wirken Gottes ausdrücken, verbunden mit einer Bitte um Kraft für die richtigen Entscheidungen.

Das gilt auch für den abschließenden Gebetsteil „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“: Diese Worte stehen ebenfalls für die Bitte um den richtigen Weg im Leben, der zur „Erlösung“, also tatsächlich zur Befreiung von allem seelisch Hemmenden, Belastenden (in diesem Sinn also „Bösen“) führt – während der Weg der „Versuchung“ nur vermeintlich befreit, weil er dazu verlockt, den aufbauenden, fördernden Weg des Gotteswillens (auf dem es natürlich auch Verbote geben muss) zu verlassen.

Allerdings führt der Schöpfer sowieso nicht in Versuchung, wie man den letzten Satz des „Vaterunsers“ deuten könnte. Abd-ru-shin schreibt dazu: „Gott versucht niemand! In diesem Falle handelt es sich nur um eine unsichere Überlieferung, welche ungeschickterweise dieses Wort Versuchung wählte. In seinem rechten Sinne ist es einzureihen in Begriffe wie Verirren, Verlaufen, also falsch laufen, falsch suchen auf dem Wege dem Lichte entgegen.

Es heißt soviel wie: ,Laß uns nicht falsche Wege einschlagen, nicht falsch suchen, laß uns nicht die Zeit versuchen! Vertrödeln, vergeuden!'“ („Das Vaterunser“)

Was wollte Jesus Christus wirklich?

Die Lehre Jesu, die in den überlieferten biblischen Gleichnissen zum Ausdruck kommt, lässt meines Erachtens auch die Mission Christi erkennen: Der Gottessohn kam vor 2.000 Jahren, um der Menschheit geistige Impulse zu bringen. Er lehrte die bedingungslose Gottes- und Nächstenliebe, er forderte zur inneren Umkehr und zum Handeln auf. „Sonntagsglaube“ allein oder leere Gebetsfloskeln genügen nicht.

Das „Vaterunser“ kann man als den Kern der Lehre Jesu sehen. Es zwingt den gläubigen Christen zu einer bestimmten Haltung. Denn nur in dieser offenbart sich der Wert dieses Gebetes, das, wie Abd-ru-shin es ausdrückt, „den Schlüssel zu dem Reiche Gottes“ enthält. Darin liegt das Geheimnis des „Vaterunsers“.

Im Sinne eines lebendigeren Glaubens könnte es sich also lohnen, dieses Gebet in der Empfindung immer wieder neu zu ergründen. Vermutlich ist es unausschöpflich.