Seelenband
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Mit Ziegen wandern in den Stauden

Einen wunderschönen Tag erlebten wir am Samstag, 01.08.2015 in Mickhausen mit Dagmar und ihren fünf Ziegen während einer „Ziegenwanderung“.

 

Der Hof von Dagmar und ihrem Mann Michael liegt in einer wundervollen und abwechslungsreichen, zum Teil hügeligen Landschaft, in den Stauden. Das ist im südlichsten Teil des Naturparks Augsburg – Westliche Wälder. Es ist einfach herrlich dort spazieren zu gehen.

 

Dagmar berichtete uns, dass sie früher ca. 50 Ziegen am Hof hatten und die Milch verkauften. Heute wird nur noch der Eigenbedarf an Milch und Käse der Familie aus der Ziegenhaltung gedeckt und Dagmar macht den leckeren Ziegenkäse für ihre Familie selbst. Auch Hühner, ein kleiner süßer schwarzer Kater und der freundliche Border Collie „Eddi“, der Dagmar beim Ziegentreiben hilft, leben am Hof.

 

Dagmar, eine freundliche, umwelt- und tierbewusste sowie offene Person, bietet mit ihren gehörnten Tieren geführte Wanderungen  für Gruppen aller Art an. Sie kam irgendwann einmal auf den Gedanken, sagt sie, als sie selbst bei den Spaziergängen mit den Ziegen immer wieder erleben durfte, wie alle Sorgen des Alltags wichen. Dies möchte Dagmar gerne mit den Menschen teilen. Die ganze Aufmerksamkeit liegt bei den Ziegen und bei der Natur und man ist automatisch dadurch absolut in Hier und Jetzt. So werden ganz nebenbei der Kopf und die Seele frei, sagt sie. Dies konnten wir nach dem schönen Tag und den interessanten Gesprächen mit Dagmar wirklich bestätigen. Es macht unheimlich Spaß mit Dagmar zu plaudern. Sie spricht „frei von der Leber weg“ und geht auf alle Fragen ein. Sie erzählte unter anderem, dass vor allem Familien mit Kindern zur ihr kommen aber auch für Erwachsene ist eine Ziegenwanderung ein herrliches Erlebnis, wie wir selbst bestätigen können.

Bei den Spaziergängen mit den fünf gehörnten Freunden muss man immer wieder gut aufpassen. Dagmar weiß schon die Stellen, wo Achtsamkeit angesagt ist. Wir kamen beispielsweise an einer Tollkirsche vorbei. Dagmar führte ihre Ziegen sicher daran vorbei. Die Tollkirsche hätte den Ziegen bestimmt gut geschmeckt aber nicht gut getan. Sie sind nämlich überhaupt keine Kostverächter und vor allem total neugierig auf neue Geschmäcker. Es braucht Geschick und Erfahrung die Ziegen von einer Pflanze fern zu halten. Ich selbst versuchte es, indem ich das Halsband einer Ziege festhielt. Keine Chance!  Wenn die Ziege einen leckeren Busch entdeckt, lässt sie sich nicht festhalten. Die Tiere sind kräftig und ziehen einen einfach mit und man muss schon aufpassen, da sie sich mit ihren Hörnern auch zu wehren wissen. Es gibt unter den Tieren eine Rangordnung und so kommt es beim Spazierengehen immer wieder zu kleinen Rangeleien. Es war für uns eine schöne Erfahrung, die Ziegen zu beobachten. Sie sind auch (nach anfänglicher Reserviertheit) ganz zutraulich uns gegenüber geworden und kamen her, rieben sich an uns und ließen sich von uns kraulen. 

Dagmar möchte mit ihren geführten Wanderungen den Menschen „die Ziege“ wieder näher bringen. Ziegen haben in der heutigen Zeit, im Vergleich zu früher, als die Ziege als „Kuh des armen Mannes galt, einen eher negativen Stellenwert, da sie empfindlich für schlechte Witterung, verdorbenes Futter und mangelhafte Pflege oder Hygiene sind. Auch ist die Ziege bei den Menschen nicht so beliebt, weil sie stinkt. Dies ist aber gar nicht der Fall, wie wir selbst erleben durften. Dagmar erzählte, dass nur die Böcke so stark riechen. Sie selbst hält nur weibliche Tiere, die bei artgerechter Haltung und aufmerksamer Betreuung gut leistungsfähig und genügsam sind. Eine Ziege gibt ca. 700 Liter Milch pro Jahr.

 

Dagmar erzählte, dass sie mit ihren Ziegen schon von klein auf spazieren ging. Den Ziegen gefällt dies sehr gut, da sie auf dem Weg durch Wiesen und Wälder immer abwechslungsreiches Futter finden. Als wir von der Weide (wo die Ziegen hinter einem Zaun ihren Platz haben) losgingen, freuten sich die Ziegen und waren die erste Zeit ganz gierig auf die leckeren Büsche, Blumen und Gräser am Wegesrand. Die fünf waren so eifrig am Fressen, das man beobachten konnte wie gut sich Ziegen als „natürliche Heckenschere“ erweisen und damit eine kostengünstige Alternative zur Abweidung von verwilderten Flächen sind. Dagmar passt auf ihre Ziegen sehr gut auf und achtet darauf, dass sie ausschließlich wildgewachsene Büsche abfressen und Kornfelder, Maisfelder etc. in Ruhe lassen.

Nach der zweistündigen Wanderung durften die Ziegen wieder auf ihre Weide, wo sie wiederkäuten. Vor der Weide steht ein wunderschöner Apfelbaum, mit einer Sitzgelegenheit aus Holz rund um den Baum. Hier saßen wir noch eine Stunde, verzehrten unsere mitgebrachte Brotzeit und sahen den Ziegen beim Widerkäuen zu. Dagmar erzählte uns viele interessante Geschichten von den Ziegen und von ihrer Erfahrung als umweltbewusste Landwirtin.

 

Es war für uns ein bereicherndes Erlebnis, das wir gerne weiterempfehlen möchten.