Seelenband
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Die Mission Bruno Grönings

Josette Gröning, 07.06.1959

 

Vortrag anlässlich einer spiritualistischen Tagung, München-Grünwald


Schon zu Lebzeiten ist in der Öffentlichkeit sehr oft ein wahrnehmbarer Streit um Bruno Gröning aufgetreten. Das Für und das Wider hat größere und kleinere Schatten im Bewusstsein der Menschen hinterlassen, sodass die Wenigsten erkennen konnten, wer er eigentlich in Wirklichkeit war.  Schatten kann man nicht so leicht wegwischen, nicht so leicht im gewaltlosen Sinne entfernen, da immer wieder das Für und Wider auftreten kann. Viele haben Bruno Gröning gut gekannt, doch die Wenigsten haben ihn innerlich erkannt. Sie wollten nur geheilt werden, und sie wären sofort zu jedem x-beliebigen neuen Heiler gegangen; hätten also den Heiler gewechselt und sich keine Herzgedanken darüber gemacht.

Dass die Menschen auf Heilung hoffen, ist gut, solange sie nicht an den Heilern hängen und von ihnen Lebenskraft absaugen. Sie können auch zu irgendeinem Heiler hingehen, aber sie sollen mit dem Herzen überlegen, dass durch jeden Heiler das "ES" hindurchfließt, die göttliche Kraft, die Kraft der Gesundheit, denn die Krankheit ist das Böse.

Bruno Gröning hat immer wieder betont, dass man die Gedanken nicht auf seinen Körper ausrichten soll, sondern auf das "ES", auf die göttliche Kraft, auf die Gesundheit und auf den Reichtum durch die Gesundheit. Gesundheit ist tatsächlich ein unbezahlbarer Reichtum, Gesundheit ist aber auch, wenn sie echt ist, die Allmacht Gottes, die sich in jedem einzelnen Menschen verwirklichen kann, wenn er sich ganz öffnet und das "ES" in sich aufnimmt.. Bruno Gröning war nicht im Sinne der wissenschaftlichen Anschauung gebildet wie etwa ein Professor oder ein Arzt. Er wollte es auch gar nicht sein, denn dann hätte er ja nicht die wirkliche und wahre Kraft Gottes demonstrieren können.

Viele kranke Menschen denken sich zu sehr in die Krankheiten hinein, sie halten gedanklich an ihrer Krankheit fest. Wie Bruno Gröning sagte: Sie sitzen auf der Krankheit. Sein Wirken und Handeln richtete sich in erster Linie darauf, die Menschen von ihren Gedanken über die Krankheit – also das Böse – abzubringen. Immer wieder betonte er, keine Angst oder Furcht zu haben, alle diese Gedanken halten die Krankheit – das Böse – fest, und die heilende göttliche Kraft kann von dem Hilfesuchenden nicht aufgenommen werden, kann sich in ihm nicht ausbreiten. Unbewusst schirmt sich der Mensch durch solche Gedanken gegen den Heilstrom ab. Um diesen möglichst stark empfangen zu können, ist es erforderlich, die Eigenstrahlungen, also alle eigenwilligen, selbstsüchtigen und störenden Gedanken, möglichst auszuschalten. Um der göttlichen Gnade teilhaftig zu werden, muss sich die Seele in dankbarer Gläubigkeit dem Göttlichen öffnen. Wir müssen werden wie die Kinder, um das göttliche Gut empfangen zu können. Nicht unmündig und ohne Verantwortung, sondern ohne Schuld, ohne Neid, Hass und ohne Begierde nach weltlicher Macht; irdischem Besitz und Genuss. Immer wieder finden wir bei Bruno Gröning die religiöse Forderung ausgesprochen, dass der Mensch sein ICH ausschalten und vergessen muss, dass nur in der gläubigen, dem Guten und Wahren zugewandten Seele das Göttliche zur Offenbarung kommen kann. Die Erfahrung hat in zahlreichen Fällen gezeigt, dass die Bescheidenen, die demütig und ehrfürchtig ihr Geschick und ihre Heilung der Fügung Gottes anheimstellen, den Heilstrom am stärksten empfingen und so die volle Heilung erlangten. Diejenigen jedoch, welche stolz, selbstbewusst und fordernd die Heilung verlangten, verhinderten durch den selbstsüchtigen Willen das Einströmen der höheren Kraft und konnten nur in geringem Grade oder überhaupt nicht ihre Heilung erreichen. Im Hinblick auf diese Wichtigkeit des Gemütszustandes sind die Worte Bruno Grönings zu verstehen, wenn er immer wieder sagte: "Nicht verlangen, sondern erlangen."

Bruno Gröning konnte und durfte natürlich nicht alles sagen, was er wusste, denn er sprach zu Menschen aller Bevölkerungskreise, auch zu ganz einfachen Menschen, und diese konnten ihn nur mithilfe der einfachen Sprache verstehen, nämlich mit der Sprache des Herzens. Er war ein Wegweiser. Wenn er ihnen dann irgendwelche Gleichnisse vor Augen führte, so konnte es durchaus vorkommen, dass diese Bilder von anderen manchmal als "unlogisch" bezeichnet worden sind. Meistens waren es diejenigen, die glaubten, hocherhaben über dem Wissen von Bruno Gröning zu stehen, also intellektuell Verbildete. Solche, die mehr vom Akademikergeist als vom Gottesgeist erfüllt waren und natürlich in allererster Linie die offensichtlichen Feinde. Er hatte genug von dieser Sorte während seines Wirkens zu überwinden. Er hatte Freund und Feinde.

Manchmal traten auch – während er viel zu tun hatte und tun musste – Menschen an seine Seite, die ihm angeblich beistehen wollten, auch sogenannte "Manager", die von Organisationsgedanken beherrscht waren. Sie wurden größtenteils auch von Gedanken nach Geld und Erfolg angezogen. Sie befanden sich also bereits während ihrer Annäherung in einem völlig falschen Fahrwasser. Da aber Bruno Gröning niemanden gegenüber gewaltsame Entscheidungen traf, sondern gewaltlos handelte, Geduld ausstrahlte, wies er sie nicht von sich, sondern versuchte immer und immer wieder, auch diese Menschen durch sein Beispiel und Wirken auf den richtigen Weg zu bringen. So ging er seinen Weg, den Weg seiner Mission, kranken Menschen zu helfen. Dieses Ziel stand immer im Vordergrund. Bruno Gröning konnte auch Menschen entlarven auf eine gewaltlose Art, die aber trotzdem Wirkung erzeugte, sodass sich manche feindlich gegen ihn wandten. Menschen können eben die Wahrheit nicht oder nur sehr schwer ertragen, sie wollen der Wahrheit ausweichen, sie wollen den breiten Weg gehen und nicht den schmalen Weg des Dienens, mancher Entsagung, der Geduld, der Güte, der Barmherzigkeit, der göttlichen Liebe und des immerwährenden Helfen-Wollens.

Während also Bruno Gröning stets für die Menschen da sein wollte, wurde ihm viel Unrecht zugefügt. Der Neid gegen ihn war unermesslich groß. Die Zeitungen brachten große Berichte gegen ihn, andere schrieben für ihn. Beim Auftauchen falscher Berichte schwieg er und übte auch keine Gewalt aus. Seine Duldsamkeit war bewundernswert. Er erfüllte seine Mission, indem er den Menschen half bis kurz vor seinem Tod. Er wusste genau, wann seine Zeit abgelaufen war. Und es geschahen noch fast bis zum Schluss Wunder, die doch keine Wunder sind.

In der Presse wurde berichtet z. B., dass er infolge eines Halskrebses gestorben wäre. Es wurde noch viel mehr behauptet, aber nur nicht das Richtige. In Wirklichkeit hat es sich so verhalten: Bruno Gröning hat bis zu seiner letzten Stunde die Leiden, die Krankheiten, die Beschwernisse und auch die Sünden und Schulden anderer Menschen getragen. Sein Weg war ein Weg der irdischen Kreuzigung. Aber er sprach allgemein nicht darüber. Er sagte zu den Kranken: "Gib mir deine Krankheit." Und er sprach dabei von scheinbar belanglosen Dingen, um die Konzentration der Menschen von ihm abzulenken, damit er ihnen die Krankheit abnehmen konnte.

Er trug also im echt christlichen Sinne einen großen Teil der Finsternis, die sich in der krankheitsdurchseuchten Welt ausgebreitet hat. Sein Kropf war kein Kropf im üblichen Sinne, sondern eine Anreicherung von starken Heilkräften. Er hat sich niemals einer Kropfoperation unterzogen. Er diente als Heiler der Menschen, und deshalb ist es falsch, wenn behauptet wird, dass er an einem wirklichen Krebs gestorben ist. Das, was er von den anderen aufgenommen und getragen hat, hat eine Veränderung in seinem Organismus bewirkt, es erzeugte eine innerliche Verbrennung. Dieser Zustand machte selbst die Ärzte sprachlos, denn er hatte keine Schmerzen, konnte essen, Vorträge halten. Man merkte ihm überhaupt nichts an, in einer Zeit, in der die Ärzte ihn bereits als einen todkranken Menschen bezeichneten. Diese Ärzte waren seit langen Jahren Bruno Grönings Freunde. Und diesen beiden Pariser Freunden gestattete er, ihn zu untersuchen, um dokumentarische Unterlagen über seinen wirklichen Zustand der Welt zu hinterlassen. Diese Dokumente befinden sich in meinem Besitz. Nur die letzten drei Tage vor seinem Heimgang war Bruno Gröning bettlägerig, und er ging vollkommen ruhig und kampflos in die Ewigkeit über. Das geschah gerade in dem Augenblick, wo es den Menschen offenbar gelungen wäre, ihn an der Erfüllung seines göttlichen Auftrages zu hindern. Am 22. Januar 1959, vier Tage vor seinem Heimgang, wurde in München der für Bruno Gröning lebenswichtige Prozess zu Ende geführt. Der Staatsanwalt verlangte wiederum die Gefängnisstrafe.

Es ist heute bereits feststellbar, dass die göttliche Kraft, die er erneut auf die Erde hereingetragen hat, der er wiederum die Türe öffnete – er sagte oft: "Diese Kraft und Lehre ist nicht neu, sie ist uralt" –, im verstärkten Maße weiterwirkt. Diese Kraft ist nicht schwächer geworden, denn es gibt ja ein Weiterleben nach dem Tod. Wenn Bruno Gröning auch leiblich nicht mehr unter den Menschen weilt, so im verstärkten Maße seelisch und geistig, als Diener der Gesundheit, als Diener Gottes, als Vermittler der göttlichen, heilenden Kraft. Es ist also nicht notwendig, ihn unbedingt leiblich zu sehen, denn wenn man sich auf Gott, auf die göttliche Heilkraft, einstellt, so kann Bruno Gröning als Diener weiterhin diese Kraft, und zwar noch viel stärker, den Freunden und auch den Unbekannten zukommen lassen!

Die Menschen sollen sich also auf den göttlichen Strom einstellen. Sie sollen ihn in ihr Herz aufnehmen, Bruno Gröning wird einer der unsichtbaren Helfer und Vermittler sein. Aus dem himmlischen Tor wird man Gottes Hilfe immer stärker wahrnehmen dürfen.

Das Werk Bruno Grönings wird selbstverständlich weiter geführt. Am Pfingstmontag wurde die "Freie Arbeitsgemeinschaft Bruno Gröning"[1] gegründet. Sie soll einer gewissenhaften Auswertung der Erlebnisse mit Bruno Gröning dienen, und außerdem weitere wichtige Wege vorbereiten. Das, was einmal begonnen worden ist, muss nun in neuer Form den Menschen in Wort und Schrift nahegebracht werden. Bruno Gröning soll nicht als Scharlatan in die Geschichte eingehen, sondern als geistiger Heiler. Wer mithelfen will und mit der göttlichen Lehre, die uns Bruno Gröning vermittelt hat und weiterhin vermitteln wird, in Verbindung bleiben oder kommen will, möge sich an die Geschäftsstelle der "Freien Arbeitsgemeinschaft Bruno Gröning" wenden. Die Arbeit geht weiter unter dem Leitwort, das Bruno Gröning immer wieder hervorgehoben hat:

"VERTRAUE UND GLAUBE
ES HILFT – ES HEILT – DIE GÖTTLICHE KRAFT"

 

[1] Die Freie Arbeitsgemeinschaft Bruno Gröning wurde am 18.5.1959 auf Initiative von Erich Bavay gegründet. Die Vereinigung sollte als Alternative zum Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland e. V. dienen. Heute existiert die Freie Arbeitsgemeinschaft nicht mehr.


Quelle:
Archiv Bruno Gröning Stiftung